Mittwoch, 5. April 2017

Sport ist gesund...


"Sport ist gesund und gut für den Körper. Darum ist es schade, dass ich
mein Sportzeug veregessen habe."

Der Siebenjährige einer befreundeten Familie kommt mit diesem Zettel
nach Hause. Er soll ihn abschreiben. Wie oft, habe ich nicht mitbekommen.
1 mal, 10 mal, 100 mal? Schule heute. Schulalltag heute. Im Jahr 2017.

Was denkt sich die Lehrerin dabei, eigentlich? Wie erlebt sie sich vor
dem jungen Menschen? Wie sieht sie Kinder? Haben Kinder eine Würde,
gar eine unantastbare?

Sie will eine Veränderung in dem Jungen. In seinem Vergesslichkeitskopf,
in seiner Seele. Sie ist die kluge Missionarin, die dem kleinen Schulnegerlein
zeigt, wo es lang geht. Im Sportunterricht, bei ihr als Managerin seiner
Arme und Beine, seiner Beweglichkeit und Muskeln. Macht so etwas
gesund, Freude, Spaß? Was geht da eigentlich ab, bei dieser Abgesandten
unserer Kultur, einer Lehrerin? Ausgebildet mit viel viel öffentlichem
Geld an einer Universität.

Wie viele Vorlesungen und Seminar hat sie mitgemacht? Wie viele Professoren
hatten mit ihr zu tun, Einfluss auf sie genommen? Wie sind ihre Freundinnen
gestrickt? Was denken die alle eigentlich von Kindern? Sie Kinder Trottel,
Dumpfbacken, Biester, Bildungsmaterial? Ich glaub mal, dass diese
Sportzeugvergessekinder echt anstrengend für solche Lehrer sind. So
anstrengend, dass Grundlegendes auf der Strecke bleibt. Der gute Ton -
dahin. Einfühlung - dahin. Vorbildlichkeit - dahin. Freundlichkeit - dahin.
Mut machen - dahin. Statt dessen Drama, Draufhauen, Blosstellen, Schimpf
und Schande. So eine Lehrerin ist eine eklige Giftspritze, bei allem Respekt.

So eine Lehrerin will ich nicht an meine Kinder heranlassen. Wie konnte so
eine Lehrerin die Prüfungen überstehen, die vielen Begutachtungen in ihrer
Referendarzeit? Oder sind sie alle so gestrickt? Die Profs, die Bücher,
die Freundinnen? Ist das ganze System Schule so gestrickt? Ist so ein
kleiner Zettel "Sport ist gesund ..." ganz einfach eine Systemselbstver-
ständlichkeit? Und nur seine Mutter und ich finden etwas dabei?

Der Junge war super. Hat sich davon nichts angesteckt. War belustigt.
Abgeschrieben hat er ihn trotzdem. "...was des Kaisers ist." Na gut, wenn
er so stabil ist, wenn er in einem schützenden Zuhause groß wird. Ich
aber habe den großen Blick. Da hat sich doch in den 60 Jahren, in denen
ich dabei bin, nichts geändert. Nichts wirklich. Die Würde des Kindes
ist immer noch antastbar. Zettel statt Stock, klar. Doch das Subtile
ist von eigener Gefahr. Noch schwerer zu erkennen. Modischer
Nebel liegt über dem ganzen gruseligen Schulland. "Die Sportlehrerin
ist doch eine Nette" höre ich von den Eltern.

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