Donnerstag, 8. Juni 2017

Das lila Wiesel



















Aus meinen Gute-Nacht-Geschichten.

*

Der Ton wurde immer lauter. "Ich habe doch gewusst, dass
Sternschnuppenso laut sind", dachte das kleine Wiesel. Es
huschte zum Brombeergestrüpp. Als der Ton so laut wurde,
dass die ersten Blätter von der Buche fielen, nahm das kleine
Wiesel seine Halskette und hielt sie gegen den Mond. "Mond",
rief es, »es ist zu laut. Du musst den Sternschnuppen sagen,
dass sie aufhören sollen". Es drehte die Halskette viermal,
und der Ton wuırde leiser. Es fielen auch keine Blätter mehr
ab. Das kleine Wiesel wurde lila, ein Vulkan brach aus dem
Maulwurfshügel, und die drei Grillen begannen wieder zu
zirpen.

Wie konnte es nur geschehen, dass der Vulkan ausgerechnet
aus dem Maulwurfshügel ausbrach? Das lila Wiesel sah neu-
gierig in den Krater. Groß war er ja nicht, der Vulkan. Nicht
größer als ein Maulwurfsloch. Das Wiesel schubste etwas Erde
hinein. Sofort gab es ein gewaltiges Dröhnen, und mit einem
großen Knall wurde die Erde wieder hinausgeschleudert. Es
rauchte sehr, und glühende Steine wurden in die Luft gewirbelt.
Wenn der Vulkan auch nicht sehr groß war, so wußte das lila
Wiesel doch jetzt, daß er ein richtiger Vulkan war.

Das lila Wiesel badete in der Pfütze neben der Buche. Dann
sprang es in den Vulkan. Dabei wurde es so klein, dass es tat-
sächlich in den Krater passte. Es fiel hinab, tiefer und tiefer.
Die glühenden Steine konnten dem Wiesel nichts anhaben.
Das Pfützenwasser war ein guter Schutz. Das Wiesel landete
auf einem großen Pilz. "Ich bin der Vulkanwächter", sagte
der Pilz. "Es ist nett von Dir, dass Du mich besuchen kommst."
Das lila Wiesel wurde rot, so rot wie die glühenden Steine.
Es aß ein Stück vom Pilz, und zusammen passten sie auf,
dass der Vulkan rauchte und ab und zu Glut ausstieß.

Durch die Wolke kam der Buntvogel zu ihnen. Er brachte
Lulila mit, das Sternenmädchen. "Ich habe von Euch gehört",
sagte sie. Sie gab dem rotglühenden Wesel und dem Pilz die
Hand. "Dies habe ich Euch nıitgebracht." Sie gab dem Pilz
drei Sternschnuppen. Sie strahlten wunderschön. Das Wiesel
lief durch den Maulwurfsgang nach oben und gab die Stern-
schnuppen den drei Grillen. »Das ist für Euren schönen Ge-
sang", sagte es.

Die drei Grillen lachten. "Endllich!"`freuten sie sich. Sie
nahmen ihre Flügel ab und warfen sie in die Pfütze neben
der Buche. Es rauschte sehr, und das Pfützenwasser stieg
hoch und höher. Es floss schließlich über den Maulwurfs-
hügel in den Vulkankrater. Gewaltiger Dampf stieg auf,
die Sonne wurde von einer lila Wolke verdeckt, und das
Wiesel sprang in das Brombeergestrüpp. Der Pilz wuchs
am Stamm der Buche, und Lulila, das Sternenmädchen,
kraulte dem Maulwurf den Pelz. Sie sangen zusarnmen
das Lied der Grillen, und als der Ton wieder lauter wurde,
schliefen sie ein.


1 Kommentar:

  1. von wegebn : "... schliefen sie ein ... " Ich mag deine gute nacht geschichten hubertus … vielleicht auch deshalb so sehr weil sie mich an meine kindheit erinnern … mein 2 jahre älterer bruder … dem ich ja verdanke dass ich deine bücher gelesen habe ( er war damals noch bibliothekar an der uni in graz und hat sie mir empfohlen da er dich bei einem vortrag an der uni gehört hat und ich grad überlegte aus der schule auszusteigen .. ) also bruno erzählte meiner schwester und mir jeden abend von der „ farm “ … eine abenteuerreise in der wir drei geschwister .. nach einem flugzeugabsturz der eltern auf dem flug zu einem internationalen psychiaterkongress .. verwaist und ohne elterliche fürsorge aber auch ohne wohlmeinende pädaogogisierende und psychlogisch –psychiatrisch scheinbar versierte kontrolle !!! und begleitende erziehung zurückgeblieben die tollsten abenteuer erleben … ich glaube ohne meinen bruder und seine geschichten wäre ich eventuell auch in der psychiatrie als patient gelandet … meine kindheit in diesem umfeld zu verbringen hat mir offenbar gereicht um zu erkennen was ich von meinem innenleben preisgebe und was besser nicht ;-) … also danke einmal mehr hubertus für deine geschichte .. alles liebe christa

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