Samstag, 17. Juni 2017

Frage. Welche Frage? Antwort. Welche Antwort? II



















Fortsetzung vom 16.5.

*

Wenn mir heute jemand eine Frage stellt, dann antworte ich,
wie stets in meinem Leben, gelernt von klein auf, trainiert
durch die Schule, und eben einfach so, wie das Leben halt
läuft: Man antwortet auf Fragen.

Aber.

Heute gibt es für mich bei dem Antworten auf die Fragen
ein Aber. Ich sehe mich am Regiepult meines Lebens, und
die Fragen von anderen werden schnell und tief geprüft:
Ob sie mir gut tun. Ob sie mir helfen. Ob sie mich achten.
Ob sie mich freuen. Ob sie es wert sind. Ob sie liebevoll
sind. Ob sie mich anlächeln. Ob sie freundlich sind.

Bei Fragen, die diesen Test nicht bestehen, und bei Fragern,
die diesen Test nicht bestehen, stelle ich die Ampel auf rot.
Keine Antwort. Keine Antwort. Die Frage wohl hören, aber
nicht in mir nachschwingen lassen. Die Frage durch mich
hindurch gehen lassen. Die Frage nicht annehmen. Den
Frager dabei nicht verlieren - aber es ist seine Sache, jetzt
enttäuscht, verärgert, genervt zu gehen. Ich bleibe zuge-
wandt - nur eben ohne mich auf die Fragerei und das
dazugehörende Antworten einzulassen.

Es ist schwer, dem Frager klarzumachen, dass ich voller
Respekt bin. Dass ich ihn nicht missachte, wenn ich seine
Frage nicht aufnehme. Auf mein "Ich möchte darauf nicht
antworten" kommt sofort die nächste Frage: Wieso, warum,
ja aber. Es ist schwer, Freundlichkeit bestehen zu lassen,
wenn ich eine Frage nicht aufnehrne. Der Frager fühlt sich
unhöflich behandelt, abgewiesen, herabgesetzt. Was tun?
Deswegen doch in seine - seine - Fragewelt einsteigen, die
Frage annehmen und nach einer Antwort suchen und sie
dann geben? Wer ist da eigentlich der Chef im eigenen Haus?
Ist das mein Leben oder Deins?

Ausflüchte gibt es genug: "Ich finde es nicht sinnvoll, auf
Deine Frage jetzt einzugehen","Das erklär ich Dir nachher",
"Das weiß ich nicht so genau" usw. Klartext ist: "Nein" - Was
heißt das? - "Nein" - Ich habe Dich gefragt - "Nein". Wenn
ich dann noch freundlich bin (und warum sollte ich es nicht
sein), dann noch: "Ich will mich mit Deiner Frage nicht
beschäftigen". Und Punkt.

Und dann geht das Leben weiter - so, wie es mir gut tut. Und
von dieser Basis aus gelingt unsere Beziehung. Und lassen
sich alle Fragen beantworten.





















Kommentare:

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    LG HaJo51

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  2. Hallo, Hubertus!

    Zitat:
    "Die Frage wohl hören, aber
    nicht in mir nachschwingen lassen. Die Frage durch mich
    hindurch gehen lassen. Die Frage nicht annehmen."
    Zitat-Ende

    Dieses "Nicht in mir nachschwingen lassen" und "Die Frage nicht annehmen" definiere ich für mich als "Die Inhalte der Fragestellung nicht auf mich bzw. nicht auf mein Selbst beziehen" oder auch: "Sie nicht zu meiner Sache machen".
    LG HaJo51

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